Umkehr

In der Hebräischen Schrift hat der Vorgang der Umkehr meist die Umkehr von Menschen zu יהוה im Blick. Umkehr folgt aus der Einsicht, von Gott getrennt zu sein und die Trennung selbst verschuldet zu haben. Als Teil dieses Prozesses bezeichnet Reue das schmerzhafte Bedauern darüber, dass verkehrtes Denken und Handeln die Abkehr von יהוה bewirkt hat. Um das Gottesverhältnis wiederherzustellen, können konkrete Handlungen vollzogen werden. Dieser Aspekt wird oft „Buße“ genannt. Praktisch kann Buße in z.B. Riten der Selbstminderung oder Demütigung sichtbar werden. Ein Spezialfall ist die Reue Gottes: Gott kann einerseits angesichts menschlicher Bosheit sein Heilshandeln bedauern, andererseits von einem beschlossenen oder geschehenen Gerichtshandeln Abstand nehmen. Für „Umkehr / Buße / Reue“ gibt es in der Hebräischen Bibel keinen allgemeinen Terminus; das Substantiv תְּשׁוּבָה  „Umkehr“ bedeutet wörtlich soviel wie "Kreuz auf sich nehmen damit die Möglichkeit auf die himmlische Behausung fest verankert bleibt". Diesbetreffend ist eine kindlich passive Haltung gegenüber יהוה vorteilhaft, weil man dann unschuldig vor IHM erscheint und dadurch erst Raum für Gnade und Erbarmen schafft! Dies kommt ebenfalls durch sprachliche Finessen dieser Handlung zum Vorschein, damit wir sie, aufgrund ihrer Wichtigkeit, auch in den Sprachen der Zertstreuung wahrnehmen. In vielen Fällen lässt sich der Sachverhalt aber an den Wurzeln שׁוב  qal „zurückkehren / umkehren / sich bekehren“ und נחם nḥm nif. (selten hitp.) „bereuen / sich etwas leid sein lassen“ festmachen. Einsicht und Umkehr können sich in einer Gesinnungsänderung niederschlagen, sie können aber auch praktische und sichtbare Konsequenzen haben. Es geht hierbei v.a. um ein Verhalten, das von Kutsch als Selbstminderungsriten bezeichnet wird und seinen Ursprung in Totentrauerbräuchen hat. Dazu gehört v.a. das Fasten sowie das Anlegen von Sack und Asche, auch das Zerreißen der Kleider und das Schlafen auf dem Boden. Das Ritual des großen Versöhnungstages dient dazu, kultisch Israels Umkehr zu vollziehen. Rituale haben den Zweck, Elohim angesichts der eigenen Verfehlung gnädig zu stimmen und beschlossenes oder geschehenes Unheil abzuwenden. Die Kritik an ihnen betont, dass hier nicht nur äußerliche Übung stattfinden darf, sondern die Hinwendung zu יהוה im Herzen geschehen muss! Wir lernen in diesem Zusammenhang, dass sowohl Glaube als auch Umkehr mit vollem Einsatz und wahrem Eifer verbinden müssen, damit das größt mögliche Resultat erzielt werden kann. Diese Hingabe äußert sich auch dadurch, dass man als Berufener das Wort יהוה dem Volk verkündigt und somit erst Raum für die Umkehr in dieser Welt gibt / anstößt! Reue und Glaube können als zwei Seiten derselben Medaille verstanden werden. Es ist unmöglich, seinen Glauben an Yeshua als den Erlöser zu setzen, ohne zuerst seine Meinung über seine Sünde zu ändern und darüber, wer Yeshua ist und was er getan hat. Ob es die Umkehr von vorsätzlicher Ablehnung oder Umkehr von Unwissenheit oder Desinteresse ist, es ist ein Sinneswandel. Die biblische Umkehr in Bezug auf die Erlösung ändert die eigene Meinung von der Ablehnung Christi hin zum Glauben an Yeshua.
Umkehr ist kein zu tätigendes Werk ist, um sich die Erlösung zu verdienen. Keiner kann umkehren, ohne dass Gott jene Person zu sich zieht (Joh 6,44).  Keiner kann umkehren, ohne dass Gott Umkehr gewährt. Die ganze Erlösung, einschließlich Umkehr und Glaube, beruht darauf, dass Yah uns zieht, unsere Augen & Ohren öffnet und unsere Herzen verändert.
יהוה Langmut führt uns zur Umkehr und seine Liebe holt uns letztendlich Heim! Auch wenn Umkehr kein Werk ist, das die Erlösung verdient, hat erlösende Umkehr Werke zur Folge. Es ist unmöglich, echt und vollkommen die Meinung zu ändern, ohne dass dies eine Veränderung der Taten nach sich zöge. So kommt es, dass wir uns dem Thema der Umkehr besser näher widmen sollten, weshalb ein angemessenes Studium der Inhalte innerhalb der Propheten sinnvoll erscheint. Johannan der Täufer gilt als letzter Prophet vor dem Kommen des Maschiachs und hatte dahingehend auch ein eigentümliches Merkmal: Die Taufe mit Wasser zur Sündenvergebung war ein Sinnbild auf die heilende Wirkung und auch Umkehr zur Gesetztestreu mit samt deren Lebensverheißungen. In diesem Zuge sind wir gespannt und voller Erwartung auf die endzeitlichen Propheten und deren Ausruf der Worte Elohims zur Umkehr und Heil Israels.

Jer 31,18-21:

Ich habe wohl gehört, wie Ephraim klagt: »Du hast mich gezüchtigt, und ich wurde gezüchtigt wie ein junger Stier, der noch nicht gezähmt ist. Bekehre du mich, so will ich mich bekehren; denn du, HERR, bist mein Gott! Nachdem ich bekehrt war, tat ich Buße, und als ich zur Einsicht kam, schlug ich an meine Brust. Ich bin zuschanden geworden und stehe schamrot da; denn ich trage die Schande meiner Jugend.« Ist nicht Ephraim mein teurer Sohn und mein liebes Kind? Denn sooft ich ihm auch drohe, muss ich doch seiner gedenken; darum bricht mir mein Herz, dass ich mich seiner erbarmen muss, spricht der HERR. Richte dir Wegzeichen auf, setze dir Steinmale und richte deinen Sinn auf die Straße, auf der du gezogen bist! Kehr zurück, Jungfrau Israel, kehr zurück zu diesen deinen Städten!

 

שלום

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