Minze


Biblische Zitate

„Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr gebt den Zehnten von Minze, Dill und Kümmel und lasst das Wichtigste im Gesetz außer acht: Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treue. Man muss das eine tun, ohne das andere zu lassen. Blinde Führer seid ihr: Ihr siebt Mücken aus und verschluckt Kamele.“ (Matthäus 23, 23-24)

„Doch weh euch Pharisäern! Ihr gebt den Zehnten von Minze, Gewürzkraut und allem Gemüse, die Gerechtigkeit aber und die Liebe Gottes vergesst ihr. Man muss das eine tun, ohne das andere zu unterlassen.“ (Lukas 11, 42)


Botanisches

Die Minze gehört zur Familie der Lippenblüter (Laminaceae). Es gibt mehr als 25 verschiedene Minzearten und vermutlich um die 600 Sorten, die nicht ohne Probleme bestimmt werden können. Aufgrund der Vielfalt ist nicht mehr zu ermitteln, welche Arten und Kreuzungen bereits im Altertum und Mittelalter Verwendung fanden. Die Ross-Minze (Mentha longifolia) gehört in Palästina zu den häufigeren Mentha-Arten. Im 9. Jahrhundert nimmt der Reichenauer Klosterabt Walahfried Strabo in seinem gedichteten Hortulus Bezug auf die ausgeprägte Artenvielfalt: „Nimmer fehle mir auch ein Vorrat an gewöhnlicher Minze, so verschieden nach Sorten und Arten, nach Farben und Kräften … Wenn aber Einer die Kräfte und Arten und Namen der Minze samt und sonders zu nennen vermöchte, so müsste er gleich auch wissen, wie viele Fische im Roten Meere wohl schwimmen…“

Jede Minzepflanze bietet eine andere Variante des pfeffrigen-fruchtigen Duftes.

Die in heutiger Zeit oft verwendete Echte Pfefferminze (Mentha x piperita) entstand wohl erst vor mehr als 300 Jahren als eine spontane Kreuzung aus der Wasser-Minze (Mentha aquatica) und der Ähren-Minze (Mentha spicata subsp. spicata).

Die Echte Minze vermehrt sich vorwiegend durch unterirdisch kriechende Ausläufer und wird bis zu 90 cm hoch. Der meist kahle, vierkantige Stängel ist im oberen Teil verzweigt und trägt die beliebten tiefgrünen, kreuzgegenständigen Blätter. Minzeblätter weisen einen lanzettlich spitzen Blattgrund auf und besitzen einen scharf gesägten Rand. Die Blätter enthalten einen hohen Anteil an ätherischen Ölen; so duften sie beim Zerreiben charakteristisch nach Menthol.

An den meist rötlich überlaufenen Sprossen der Echten Pfefferminze sitzen die kleinen lilarosafarbenen Blüten in dichten, länglichen, endständigen Scheinähren und verströmen einen erfrischenden Minzeduft.

 

Anbau und Ernte

Die Pfefferminze liebt es warm und sonnig bis halbschattig. Der Boden darf nicht zu trocken sein, ansonsten gedeiht sie ohne Zutun. Sie wuchert und breitet sich in alle Richtungen aus, daher sollte sie nur in einem großen Behälter ins Beet gepflanzt werden.

Die Echte Pfefferminze ist als Bastard nicht samenecht, daher können Nachkommen, welche aus diesen Samen entstanden sind ganz unterschiedlich ausfallen. Üblicherweise wird deshalb eine Vermehrung der Echten Pfefferminze über Ausläufer mit 3-4 „Augen“ bevorzugt; welches ein gutes Gedeihen begünstigt, eine weitere Vermischung der Minzearten verhindert und Sterilität der Nachkommenschaft vermeidet.

Bei medizinischer Verwendung sollte bei der ersten Ernte so lange gewartet werden bis die Stängel 15cm hoch sind und sich die ersten Blütenknospen zeigen. Als Erntezeitpunkt empfiehlt sich die Mittagszeit bei Sonnenschein, da zu diesem Zeitpunkt der Anteil an ätherischen Ölen in den Blättern am höchsten ist. Das Kraut wird dann eine Handbreit über dem Boden abgeschnitten. Die Minzeblätter vom Stängel abzupfen und rasch im Schatten trocknen. Die Minzeblätter aromageschützt im Ganzen aufbewahren, denn auf diese Art und Weise bleiben die kostbaren ätherischen Öle optimal erhalten.

Für die Küche können junge Blätter und Triebspitzen fortwährend geerntet werden.


Hauptinhaltsstoffe

Betain, Cholin, Cineol, Eisen, Flavonoide, Karotinoide, Menthol, Pulegol, Tannin, Vitamin B1, B2, B6, B9, C, E, Zink


Medizinische Wirkungen

Tagesdosis: 3 – 6g Blätter

 

Minze werden antibakterielle, wärmende, harntreibende, motivierende, lustbringende und erfrischende Eigenschaften zugeschrieben.

Zur Aufbereitung als pflanzliche Arznei dienen die Pfefferminzblätter. Sie enthalten 0,5 bis 4 Prozent ätherisches Öl – dem Pfefferminzöl, welches die wirksamen Inhaltsstoffe enthält. Es setzt sich hauptsächlich aus den Substanzen Menthol (35-50 Prozent), Menthylacetat, Menthon und Menthofuran zusammen. Das ätherische Öl der Minze findet bei unterschiedlichsten Krankheiten Verwendung.

Minzöl regt über verschiedene Mechanismen die Verdauung an.

Pfefferminzblätter enthalten neben ihren ätherischen Ölen auch Flavonoide, Bitter- und Gerbstoffe. Mit dieser Kombination können Krämpfe an der glatten Muskulatur des Verdauungstraktes gelöst, Blähungen und Völlegefühl gelindert werden. Menthol blockiert die Schmerzrezeptoren der Magenschleimhaut und daher wirkt Pfefferminze schmerzlösend bei krampfartigen Magen-Gallen-Beschwerden. Pfefferminze befördert die Sekretion von Verdauungssäften und bewirkt eine Erhöhung der Gallenproduktion. Auch bei Durchfall und Verstopfungen wird Pfefferminztee empfohlen. Die im Tee enthaltenen Wirkstoffe lindern Bauchkrämpfe, wie sie zum Beispiel bei einem Reizdarmsyndrom auftreten.

Minze ist ein wichtiges Mittel zur Unterstützung der Verdauung; vor allem weil sie gärungshemmend und antiseptisch wirkt (Menthol ist keimhemmend). So gilt Minze als probates Hilfsmittel gegen einen „verdorbenen Magen“ oder wenn einem etwas „wie ein Stein im Magen liegt“.

Wenn Übelkeit und Erbrechen dazu kommen, wirkt Pfefferminze leicht betäubend auf die Magenschleimhäute und lindert den Brechreiz. Bei Reiseübelkeit oder Schwangerschaftserbrechen kann sich die Einnahme von Pfefferminze ebenfalls als lindernd erweisen.

Um die charakteristischen Aromastoffe der Minze den Blättern während der Teezubereitung möglichst vollständig zu entziehen, sollten die Blätter nicht mit kochendem, sondern nur mit heißem Wasser überbrüht werden. In arabischen Ländern ist es üblich den aus frischer Minze hergestellten Tee mit Zucker oder Honig zu süßen, da dies die Wirksamkeit der Inhaltsstoffe zusätzlich erhöht. Dennoch sollte dieser gern getrunkene Pfefferminztee nicht täglich getrunken werden. Wird dem Körper dauerhaft und in hohen Dosen das in den Minzeblättern enthaltene Menthol zugeführt, kann dies zur Entstehung von Magenschmerzen führen, welchen eine zu hohe Magensäureproduktion zugrunde liegt. Zusätzlich bewirken die Wirkstoffe der Minze, dass sich der Magenschließmuskel leichter öffnet und somit Magensäure in die Speiseröhre gelangt, was wiederum zu starkem Sodbrennen und Schlaflosigkeit führen kann.

Jedoch empfiehlt sich einen mit Honig gesüßter Mix aus lauwarmem Pfefferminztee und angewärmter Milch bei Befindlichkeitsstörungen, Frühjahrsmüdigkeit und Wetterwechsel in kleinen Schlucken zu trinken. Kreislaufanregend wirkt Pfefferminztee, dem frisch gemahlener Pfeffer zugesetzt wurde.

Bei Schluckauf und bei Kopfschmerzen hat sich ein doppelt starker Pfefferminztee bewährt.

Für äußerliche Anwendungen werden Zubereitungen mit Pfefferminzöl für Inhalationen und Einreibungen verwendet.

Ähnlich wie andere Heilkräuter, die ätherische Öle enthalten (Thymian, Eukalyptus, Rosmarin), kann durch Inhalieren des Minzöles festsitzender Schleim aus den Bronchien gelöst und dessen Abtransport gefördert werden. Pfefferminze hilft die Atemwege bei Schnupfen und Husten zu befreien und wirkt lindernd auf Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachen-Bereich.

Zur äußerlichen Anwendung wird Pfefferminzöl in die Haut einmassiert. Vermutlich regen die Ölinhaltsstoffe Kälterezeptoren in der Haut an, sodass ein kühlender Effekt eintritt. Zugleich werden in der Haut befindliche Schmerzfasern unempfindlicher, sodass das Menthol der Heilpflanze gut als schmerzlinderndes Mittel gegen Spannungskopfschmerzen, bei Prellungen sowie Muskel- und Nervenschmerzen wirkt.

Diese Wirkung beschrieb auch schon Plinius der Ältere, denn er empfahl im 1. Jahrhundert n.Chr. das Auflegen von Minzblättern auf die Schläfen bei Kopfschmerzen. Neuere Untersuchungen bestätigen die hervorragenden Erfolge in der Akutwirkung von Pfefferminzöl gegen Kopfschmerzen: In einer Studie der Kieler Universitätsklinik für Neurologie konnte im direkten Vergleich zwischen 10%-igem Minzöl und Paracetamol (Wirkstoff in vielen Schmerzmitteln) belegt werden, dass beide gleich wirksam sind – der Schmerz der Probanden begann nach 15 Minuten nachzulassen. Im Gegensatz zu dem chemischen Schmerzmittel sind bei bei dem auf Stirn und Schläfen aufgetragenem natürlichen Minzöl keine Nebenwirkungen zu erwarten.

Frische Minzeblätter wirken nachhaltig der Entstehung von Fußschweiß entgegen, wenn man hin und wieder in seine Schuhe damit auslegt.

 

Kulinarisches

Die Blätter und Blüten der Minze dienen entweder der Dekoration, dem Würzen von warmen und kalten Speisen sowie der Öl- und Teeherstellung.

Das ätherische Minzöl wird oft in Likören, Süßwaren oder bei der Herstellung von Zahnpasten genutzt.

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