Flachs

Lein / Flachs

 

Biblische Zitate


Und man soll das Kleid verbrennen oder den Aufzug oder den Eintrag, es sei wollen oder leinen oder allerlei Fellwerk, darin solch ein Mal ist, denn es fressender Aussatz, und man soll es mit Feuer verbrennen.      (3. Mose 13,52)

 

Meine Satzungen sollt ihr halten, dass du dein Vieh nicht lassest mit anderlei Tier zu schaffen haben und dein Feld nicht besäest mit mancherlei Samen und kein Kleid an dich komme, dass mit Wolle und Leinen gemengt ist.                 (3. Mose 19,19)

 

Du sollst nicht Zeug von verschiedenartigen Stoffen anziehen, Wolle und Leinen zusammen.
(5.Mose 22,11)

 

 

Mardochai aber ging aus von dem König in königlichen Kleidern, blau und weiß, und mit einer großen goldenen Krone, angetan mit einem Leinen- und Purpurmantel, und die Stadt Susan jauchzte und war fröhlich.
(Est 8,15)                                                                                                                              

 

Da ging Kephar und der andere Jünger hinaus zum Grabe. Es liefen aber die zwei miteinander, und der andere Jünger lief zuvor, schneller denn Kephar, und kam am ersten zum Grabe, guckt hinein und sieht die Leinen gelegt, er ging aber nicht hinein. Da kam Simon Petrus ihm nach und ging hinein in das Grab und sieht die Leinen gelegt, und das Schweißtuch, das Yeshua um das Haupt gebunden war nicht zu den Leinen gelegt, sondern beiseits, zusammengewickelt, an einen besonderen Ort.
(Joh 20,3-7)

 

 

 

 

Botanisches

Der sehr wahrscheinlich von dem in Vorderasien und im Mittelmeerraum beheimateten Wild-Lein (Linum bienne MILL.) abstammende Faser-Lein gehört zu den ältesten Kulturpflanzen. Lein (Linum usitatissimum) gehört zu den Leingewächsen (Linaceae). Der auch unter dem Namen Flachs bekannte Lein fand zunächst als Nutzpflanze Verwendung, bevor die Heilwirkung der Samen in späterer Zeit bekannt wurde.

Die frühesten Funde verkohlter Leinsamen stammen aus Mesopotamien und Syrien aus der Zeit zwischen 7500 und 5000 v.Chr. Im alten Ägypten sind gewebte Leinenstoffe seit Beginn des 4. Jahrtausends v.Chr. belegt. Bei Ausgrabungen jungsteinzeitlicher Siedlungen am Bodensee und in der Schweiz fand man 5000 bis 6000 Jahre alte Leinwandstücke und Reste von geknüpften Fischernetzen aus Flachs. Bis zum Aufkommen der Baumwollindustrie bildete der Faser-Lein in Europa die Grundlage der Textilherstellung.

Lein wird heute weltweit in verschiedenen Kulturformen sowohl wegen der Samen (Leinsamen und Leinöl) als auch wegen der Stängelfasern angebaut. Lein gedeiht bis weit über den Polarkreis hinaus, ausgenommen sind die äquatorialen Länder.

Lein ist eine einjährige, 20-70 cm hohe Pflanze. Der Faser-Lein wurde auf möglichst unverzweigte, aufrechte und lange Stängel hin gezüchtet, sodass die Pflanzen eine Höhe von bis zu 150 cm erreichen können. Am Stängel sitzen wechselständig schmale lanzenförmige Blätter. Mit seiner langen, dünnen weißlichen Pfahlwurzel ist der Lein fest im Boden verankert. Am Ende der sich im oberen Teil in Seitenäste verzweigenden Stängel sind die himmelblauen oder weißen, selten auch rosafarbenen Blüten zu finden. Sie blühen im Juni und Juli, sind 5-zählig und enthalten 10 Staubblätter mit blau gefärbten Staubbeuteln, die zart bewimpert sind. In der ungewöhnlich kurzen Blütezeit öffnen sich die Blüten an heißen Tagen bereits bei Sonnenaufgang, gegen sieben Uhr sind die Blumenkronen voll entfaltet und fallen in den Mittagsstunden bereits schon wieder ab. Aus diesem Grund findet beim Lein in aller Regel eine Selbstbestäubung statt; die Kürze der Blütezeit schließt eine Fremdbestäubung fast vollständig aus. Die Früchte des Leins sind hellbraune, erbsengroße, kugelige Kapseln, die bis zu 5-10 bräunlich glänzenden, eiförmigen Kernchen – die Leinsamen -  enthalten.

 

Anbau und Ernte

Lein wird heutzutage weltweit angebaut. Die Samen können einfach auf ein Stückchen freie Erde gestreut und gut feucht gehalten werden. Nach zwei Monaten blüht es schon. Einen Monat später hat sich die ganze Pflanze bräunlich verfärbt, und aus den Blüten sind goldene Kügelchen geworden, welche mit den kostbaren Leinsamen gefüllt sind.

Die Gewinnung der Samen erfolgt im August durch Ausklopfen (Dreschen) der Kapseln. In einer flachen Schale können die Leinsamen gut durchtrocknen und müssen gut vor Feuchtigkeit geschützt werden. Sobald Leinsamen Feuchtigkeit ziehen, umgeben sie sich mit einer gallertartigen Schleimhülle und beginnen zu keimen – oder zu schimmeln.

Die Samen und das aus ihnen gewonnene Leinöl werden für Nahrungs- und Heilzwecke verwendet. Das kaltgepresste Leinöl / Leinsamenöl besitzt einen leicht nussigen Geschmack und sollte wegen seiner wertvollen, jedoch äußerst hitzeempfindlichen Inhaltsstoffe nicht erhitzt werden.

Industriell gefertigte Produkte aus Leinöl sind Kitt und Linoleum, aber auch bei der Herstellung von Farben und Lacken findet das kostbare Öl Einsatz. Die nach der Gewinnung des Leinsamenöls verbleibenden Pressrückstände dienen als Viehfutter. Die Stängelfasern des Leins sind Rohstoff für die Textilindustrie.

Die Gewinnung der in der Stängelrinde liegenden und bis zu 60 cm langen Faserbündel ist mit großem Aufwand verbunden und erfolgt traditionell in mehreren Arbeitsschritten. Zunächst werden die Pflanzen mit den Wurzeln aus der Erde gezogen (Raufen) und danach erfolgt das Ziehen der Stängel durch einen Kamm mit eisernen Zinken, um sie so von ihren Kapselfrüchten zu befreien (Riffeln) Beim nachfolgenden Rösten werden die Pflanzen auf Wiesen oder Stoppelfeldern für 3-4 Wochen ausgebreitet und der Witterung ausgesetzt; der sogenannten Tau- oder Landröste. Werden die Stängel hingegen 10-14 Tage in stehendes oder fließendes Gewässer getaucht, spricht man von der Wasserröste. In beiden Verfahren zersetzen Mikroorganismen die weichen Rindenteile und lösen die Faserbündel heraus. Nach dem Trocknen der Stängel folgt das Brechen auf der Flachsbreche, wobei die Fasern von den ihnen noch anhaftenden Holzteilen befreit werden. Weitere Arbeitsgänge sind das Reiben mithilfe eines stumpfen Reibeeisens auf einem rauen Lederlappen sowie das Schwingen. Dabei wird ein spezielles, mit einer Schneide versehenes Schwingholz zum Abschaben der restlichen Stängelteile über die Faserbündel geführt. Beim abschließenden Hecheln zieht man die Bündel durch einen Eisenkamm oder ein Nagelbrett und trennt die kürzeren Fasern (Werg) von längeren Faserbündeln, die nun versponnen und verwoben werden können.

 

Hauptinhaltsstoffe

Ballaststoffe (40%), Eisen, Eiweiß, ungesättigte Omega-3-Fettsäuren (kommen sonst nur in tierischen Fetten vor), Glycoside, Lecithin, Lignane, Öl (45%), Linolen, Pflanzenschleim (6%), Vitamine E und K

 

Medizinische Wirkung

Leinsamen sind vielseitig einsetzbar. Der stuhlregulierende Effekt bei Verstopfung ist seit langem bekannt. Wenn Leinsamen pur mit genügend Wasser zusammen eingenommen werden, gelangen sie ungehindert in den Dickdarm und binden dort das Wasser. Der Samen quillt um ein Vielfaches seiner ursprünglichen Größe auf und vergrößert dadurch den Darminhalt. Diese Volumenzunahme führt zu einem erhöhten Füllungsdruck, der einen Dehnungsreiz auf die Darmwand und damit den Reflex zur Darmentleerung auslöst. Leinsamen verkürzen somit die Durchgangszeit des Stuhls durch den Darm. Bei der Anwendung von zerkleinerten Samen werden Fette freigesetzt, die zusätzlich als Gleitmittel dienen.

Bei Durchfall binden Leinsamen – in diesem Fall ohne zusätzliche Flüssigkeit eingenommen! – überschüssiges Wasser sowie Bakteriotoxinen und führen dadurch zu einer Konsistenzsteigerung der Stuhlfrequenz und zur Verlangsamung der Darmpassage.

Leinsamen enthalten viele Schleimstoffe. Wenn man sie als „Tee“ zubereitet (Kaltauszug) sind Leinsamen ein ideales Mittel bei allen Beschwerden und Erkrankungen von (Schleim-)Häuten, weil sich die Pflanzenschleime wie ein schützender Film über die trockene, gereizte, wunde und entzündete (Schleim-)Haut legen, schmerzlindernd, reizmildernd und säurepuffernd wirken und den Heilungsprozess beschleunigen, zum Beispiel bei Magenschleimhautentzündung (Gastritis) und Sodbrennen. Da der Leinsamen als probater Calcium-Räuber gilt, sollte man ihn stets gemeinsam mit Milchprodukten (Käse, Quark, Joghurt, Quark o.ä.) verzehren.

Äußerlich angewendet dienen Leinsamen zur Herstellung von Breiauflagen, die bei entzündlichen Hautleiden wie eitrigen Abszessen, Furunkeln oder Geschwüren angewendet werden, oder zur Sekretlösung bei Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis). Kalt ausgezogener „Leinsamentee“, als Umschlag auf die Haut gebracht, lindert trockene, entzündliche oder juckende Hautstellen.

Leinöl enthält eine ideale Kombination aus ungesättigten Fettsäuren, die für den Stoffwechsel lebensnotwendig sind, weil der Körper sie nicht selbst herstellen kann. Das fette, pflegende Öl der Leinsamen lindert in der äußerlichen Anwendung Ekzeme, Milchschorf und Verbrennungen.

Eine besondere Rolle im Leinöl spielt die Omega-3-Fettsäure, die nur in wenigen Lebensmitteln enthalten ist. Sie fördert die frühkindliche Entwicklung von Nerven- und Gehirnzellen, verbessert die Fließfähigkeit des Blutes und lindert entzündliche Prozesse. Leinsamenöl schützt nicht nur vor Arteriosklerose und Herzinfarkt, es ist sogar hilfreich bei depressiver Verstimmung, Lustlosigkeit, Konzentrationsmangel, Erkrankungen der Atemwege (schon in der Antike bekannt), Gürtelrose, Hühneraugen, Krämpfen, Warzen und bei der kosmetischen Wärmebehandlung durch Kompressen zur Erweichung der Haut.

Es existieren Belege dafür, dass eine mehrwöchige Leinsamendiät die Entstehung von Tumorerkrankungen verzögern kann, vor allem (Dick-)Darm- und Brustkrebs. Als wirksame Substanz gelten hierbei die Lignane, die einen zellschützenden, krebshemmenden und antioxidativen Effekt besitzen.

In Leinsamen kann sich das giftige Schwermetall Kadmium anreichern. Drogen in arzneigeprüfter Qualität enthalten nur unbedenkliche Mengen. Wenn Sie sichergehen möchten, verlangen Sie in der Apotheke kadmiumfreie Leinsamen.

Bevorzugen Sie ganze oder frisch gemörserte oder aufgebrochene Samen aus dem Reformhaus oder der Apotheke, da geschrotete Samen innerhalb von einer bis sechs Wochen ranzig werden! Manche Firmen haben ein schonendes Spezialverfahren entwickelt, bei denen die Samenschalen lediglich aufgebrochen, die Öldrüsen der Leinsamen aber nicht beschädigt werden. Sie sind wesentlich haltbarer als geschrotete Leinsamen.

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