Rosmarin

Biblische Zitate

 

Und sollen also in derselben Nacht das Fleisch essen, am Feuer gebraten, mit ungesäuertem Brot; mit bitteren Kräutern sollen sie es essen.“

(Exodus 12,8)

 

Im zweiten Monat, am vierzehnten Tage, gegen Abend, sollen sie es halten und sollen es mit ungesäuertem Brot und bittern Kräutern essen, und sollen nichts davon übriglassen bis zum Morgen, auch kein Bein daran zerbrechen; nach der ganzen Passahordnung sollen sie es halten.“

(Numeri 9,11-12)

 

Botanisches

 

Die Heimat des Rosmarin (Rosmarinus offincinalis) liegt im Libanon oder in mediterranen Gegenden, darüber ist man sich in Fachkreisen nicht einig. Bekannt ist die alte Heilpflanze auch unter dem Namen Schoßkraut; diese Bezeichnung spielt auf die anregenden Eigenschaften des Krautes an. Die alten Griechen waren sich dieser Wirkung bewusst und weihten daher den Rosmarin ihrer Liebesgöttin Aphrodite, deren Abbilder man mit duftenden Rosmarinzweigen schmückte. „Ros maris“ - (Tautropfen des Meeres) nannte Ovid den Rosmarin in seinen Metamorphosen, und wer der Duftpflanze begegnet, warum andere Autoren den Namen vom griechischen „rhops myrinos“ (wohlriechender Strauch) ableiten. Phonetische Bezüge weist ebenfalls das hebräische Wort מררי (mararim /marurim) zu Rosmarin auf; es ist mit „bittere Kräuter“ zu übersetzen. Kurz vor dem Exodus aus Ägypten feierten die Israeliten das Pessach-Mahl, bei welchem sie ein fehlerfreies einjähriges Lamm schächteten und auf dem offenen Feuer zubereiteten. Hierzu aßen sie in Eile bittere Kräuter und ungesäuertes Brot. Auch wenn Rosmarin namentlich keine Erwähnung in der Bibel findet, lässt die Sprachähnlichkeit annehmen, dass Rosmarin eines der geforderten Bitterkräuter für das Pessach-Mahl ist. Die geschmackliche Kombination von mit Rosmarin gegrilltem Lamm überzeugt auch in der heutigen Zeit. Im 8. Jhd. gelangte das Gewürzkraut durch Benediktinermönche vom Mittelmeerraum nach Mitteleuropa. Karl der Große schien die Bedeutung des Rosmarin als Heilpflanze erkannt zu haben, denn er förderte den Anbau des Duftstrauches in Klostergärten per Dekret. Während der mittelalterlichen Pestepidemien wurde Rosmarin auf öffentlichen Plätzen, in Kranken- und Sterbezimmern verbrannt. Pestärzte trugen in ihren Schnabelmasken Rosmarin-Essig-Schwämme, um sich vor Seuchen und Krankheiten zu schützen. In der Zeit der Universitätsgründungen des Hoch- und Mittelalters wird der Rosmarinkranz zur studentischen Kopfbedeckung, um ihren Geist in Bewegung zu bringen: „Rosmarin sterket die Memory, das ist die Gedächtnüsz. Erwärmet das marck in den Beinen, bringet die sprach wieder, macht keck und herzhafftig und retardieret das Alter, so man es allen Tag trinket.“ In der Steiermark lobt man Personen, welche intelligent sind und ihr Wissen gut anzuwenden können mit der Redewendung „Rosmarin im Kopf“ haben. Aus Rosmarinblättern produzierte man im Ungarn des 16. Jahrhunderts das sogenannte Ungarische Königswasser, welches einst Königin Isabella im Alter von 72 Jahren von der Gicht befreit haben soll. Der zur Familie der Lippenblüter (Lamiaceae) gehörende immergrüne Rosmarin ist unter anderem mit dem Lavendel, Thymian und Salbei verwandt. Ähnlich wie Lavendel verfügt Rosmarin über ein sehr intensives Duftaroma. Der zumeist wild wachsende Halbstrauch kann in den sonnenverwöhnten Macchien der Küstennähe Wuchshöhen von bis zu 2m erreichen. In mitteleuropäischen Breiten wächst der Rosmarin eher kriechend in die Breite. Verholzende Triebe sind charakteristisch für die Heilpflanze. Rosmarin hat nadelähnliche ledrige Blättchen, welche am Rand leicht eingerollt sind und auf der Oberseite glänzend dunkelgrün, auf der Unterseite meist mit weißfilzigen Härchen zum Schutz vor Wasserdampfverdunstung bedeckt sind und mit mit zahlreichen Öldrüsen ausgestattet sind, über welche die Pflanzen besonders in der Mittagszeit ihren Duft verströmen. Die zartblauen Blüten entwickeln sich von Mai bis Juni und bieten mit weit herausragenden Staubblättern und Griffeln Bienen ihren Nektar an. Laut einer Legende haben Rosmarinblüten ihre Farbe dem himmelblauen Mantel der Jungfrau Maria zu verdanken, den sie einst zum Trocknen auf einem Rosmarinstrauch ausgebreitet haben soll. Großflächige Anbaugebiete findet man heute in Deutschland, England, Mexiko, Tunesien, im Mittelmeerraum und in den USA.

 

Anbau und Ernte

 

Am besten kauft man Jungpflanzen in einer Gärtnerei oder gewinnt neue Pflanzen durch Stecklingsvermehrung, denn die Anzucht mit Samen ist schwierig. Rosmarin ist kälteempfindlich und feuchtigkeitsabhängig. Die Pflanzen sollten daher erst nach dem letzten Frost in kalkhaltige, mit Sand versetzte Erde an einen sonnigen, windgeschützten Platz, wo keine Staunässe zu erwarten ist, gepflanzt werden. Vor dem Winter kann der Rosmarin mit einer warmen Decke aus Reisig oder Stroh geschützt werden; alternativ verbringt er den Winter über im Haus. Rosmarin wird kurz vor, während und nach der Blüte (Juni-Juli) durch Abschneiden der Triebe möglichst 3-4 Tage vor Vollmond geerntet, weil so die Pflanze im Folgejahr stärker und nadelreicher wachsen soll. Im Mai sollte ein erster, kräftiger Rückschnitt und Mitte August ein Zweiter erfolgen. Die Pflanzen nur an sonnigen Tagen in der Mittagszeit schneiden, dann ist der Gehalt an ätherischen Ölen nämlich am höchsten. Die Blätter sollten schnell, aber schonend bei Temperaturen unter 35°C getrocknet werden. Um das ätherische Öl wirkungsvoll zu erhalten, sollte der getrocknete Rosmarin dunkel und aromageschützt aufbewahrt werden. Rosmarin lässt sich einfrieren und frisch bzw. getrocknet in Öl einlegen. Verschiedene Rosmarinsorten sind im Handel erhältlich: ARP / Salem nennt sich ein Rosmarin mit erfrischendem Zitronen-Geschmack, Gorizia nennt man eine harzig schmeckende Rosmarinsorte, Miss Yessop's Upright schmeckt mild aromatisch und Rex heißt eine Rosmarinsorte mit kampferigen Aroma.

 

Hauptinhaltsstoffe

 

Alpha-Pinen, Antioxidantien, Bitterstoffe, Borneol, Cineol, Eucalyptol, Flavonoide, Gerbstoffe, Harze, Kampfer, Rosmarinsäure, Saponine

 

Medizinische Wirkung

 

Rosmarin unterstützt nicht nur die Fettverdauung, er hat auch anregende, belebende, gedächtnisfördernde und willensstärkende Eigenschaften. Rosmarintee wirkt Erschöpfungszuständen, Atemwegserkrankungen, Krämpfen, Migräne und nervöser Unruhe sowie Hautallergien entgegen. Der berühmte Naturheilkundler und Pfarrer Sebastian Kneipp aus Bad Wörrishofen nutzte schon im 19. Jahrhundert die entzündungshemmenden, heilenden Eigenschaften des Rosmarin und kurierte Quetschungen, offene Wunden, Gelenkschmerzen und Verstauchungen erfolgreich mit Umschlägen mit Rosmarintee. In der Geburtsheilkunde verwendeten Krankenschwestern den Tee der Heilpflanze zum Schutz der Gebärenden und ihrer Neugeborenen vor Infektionen. Bei der Verwendung von Rosmarintee ist Vorsicht geboten: Er sollte nicht über einen längeren Zeitraum und nie in der Schwangerschaft eingenommen werden, da er die Durchblutung im Bereich des kleinen Beckens zu stark anregt und somit vorzeitige Wehen einleiten kann; in Amerika galt Rosmarintee einst sogar als anerkanntes empfängnisverhütendes Mittel. Noch bis vor 100 Jahren verordnete Kräuterpfarrer Künzle (1857-1945) Rosmarindämpfe gegen stickige und verdorbene Luft in Krankenzimmern. Man rauchte Rosmarin sogar in der Pfeife – bei Husten oder Grippe. Unangenehme Gerüche vertreibt man aus der Wohnung, indem man einen Rosmarinzweig langsam auf der Herdplatte erhitzt. Rosmarin war ein beliebtes Mittel gegen Ohnmacht, bei Erschöpfung, während der Rekonvaleszenz und vor allem für ältere Menschen und Frauen von zarter Gesundheit. Er wurde in Apotheken als Medizin gegen übermäßigen Alkoholkonsum verkauft, und er sollte zudem bei regelmäßiger Einnahme den Altersprozess aufhalten, die „Dummheit im Kopf“ lindern, Schlaganfälle heilen, trübes Sehvermögen stärken und gedrückte Stimmung heben. Vor allem die ätherischen Öle mit ihrem Kampfergehalt tragen zur „duftenden“ Wirkung bei: Rosmarin regt den Blutkreislauf an und damit auch die Hirndurchblutung; das stimuliert den ganzen Körper, lindert Kopfschmerzen und Schwindel, fördert die Konzentration und steigert die geistige Leistungsfähigkeit, vor allem wenn Schwächezustände verbunden sind mit niedrigem Blutdruck. Außerdem steigert Rosmarin den koronaren Durchfluss, das heißt, er unterstützt die Durchblutung der Herzkranzgefäße und damit die Herztätigkeit. Rosmarin fördert die Durchblutung bis in die Peripherie, das macht warme Gliedmaßen und ist wohltuend bei kalten Händen und Füßen, die häufig mit niedrigem Blutdruck einhergehen. Rosmarin stärkt das Nervensystem und unterstützt bei psychischer Anspannung mit Kopfschmerzen, Niedergeschlagenheit und Schwächegefühl. Insgesamt ist Rosmarin ein bewährtes, wärmendes Stärkungsmittel bei Kreislaufschwäche, in der Rekonvaleszenz und für gestresste, überarbeitete Menschen. Zudem ist Rosmarin als keimhemmendes, verdauungsförderndes Küchengewürz bekannt, das die Sekretion von Magen- und Gallensaft und somit den Appetit anregt, entblähend und krampflösend wirkt und Magen-Darm-Störungen lindert. Äußerlich angewendet wirkt Rosmarin hautreizend, fördert die Durchblutung und durchwärmt die Extremitäten. Das ist hilfreich bei kalten Händen und Füßen, niedrigem Blutdruck und zur durchblutungsfördernden Einreibung bei rheumatischen Beschwerden. Rosmarinauszüge wirken auch keimabtötend und zusammenziehend auf das Gewebe der Haut, deshalb wird die Pflanze in Mundwässern, Zahnpasten und in der Kosmetik eingesetzt. Durch seine stimulierende Wirkung auf die Haarbälge ist Rosmarin außerdem ein gutes Mittel gegen vorzeitigen Haarausfall.

 

Kulinarische Verwendung

 

Rosmarin schmeckt eigenartig balsamisch-würzig, wie eine Mischung aus Eukalyptus, Kampfer und Weihrauch. Besonders auffällig und fast schon parfümig ist das Aroma bei wild wachsenden und getrockneten Pflanzen. Rosmarin findet überwiegend in der mediterranen Küche Verwendung, wird zuweilen aber auch in Gewürz- und Teemischungen, Arzneimitteln, Essenzen und Likören verarbeitet. Keinesfalls sollte der aromareiche Rosmarin starker Hitze ausgesetzt werden, weil seine ätherischen Öle sonst verbrennen und bitter werden; besser ist es, den Speisen beim Kochen oder Braten einen kleinen Rosmarinzweig beizugeben, der nach dem Garvorgang wieder entfernt wird. Man muss dann auch während des Verzehrs nicht auf den nadeligen Blättern herumbeißen; außerdem ist das Rosmarinaroma mit Zweiganteilen wesentlich ausgeprägter, als wenn man lediglich die einzelnen Blättchen verarbeitet. Rosmarinblüten können nicht nur der Dekoration von Speisen dienen, sie sind eine schmackhafte Salatergänzung.

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