Vayagasch / ויגש

"Und er küsste / näherte sich"

Torah:       1.Mose 44,18-47,27

 

Haftarah:    Hes 37,15-28

 

Hadaschah: Lk 24,30-48

 

 

In dieser Thoraportion geht es vorrangig um die Zusammenführung der 12 Stämme Israels. Dazu lesen wir in dem Haftara-Teil bei Hesekiel von der Vision der zwei Stöcke, die zu Einem zusammengeführt werden. Hierbe finden viele prophetische Bilder Anwendung und kommen im Besonderen zur Geltung. Zuerst die Tatsache, dass das Haus Juda mit den Häusern Josephs verbunden wird. Dies erfüllt sich gerade vor unseren Augen, indem wir sehen können, dass sowohl Anhänger Judas sich dem Messias Yeshua anschließen und Christen aller Welt sich dem Haus Juda nähern. Dadurch wird einerseits den "Intelektuellen" der lebendige Glaube in der Nachfolge Yeshuas offenbart und andererseits den verloren gegangen Schafen des Hauses Josephs der wahre Weg durch Zunahme der Erkenntnis offen gelegt, denn es steht in der Schrift geschrieben:

Hosea 4,6:
Mein Volk geht zugrunde aus Mangel an Erkenntnis; denn du hast die Erkenntnis verworfen, darum will ich auch dich verwerfen, daß du nicht mehr mein Priester seist; und weil du das Gesetz deines Gottes vergessen hast, will auch ich deine Kinder vergessen!


Wir dürfen das Eine nicht tun und gleichzeitig das Andere unterlassen, sondern in Einheit am Beispiel Yeshua ben Josephs im Fleische kommend wandeln. In der Gesamtheit erleben wir, dass Yeshua den Segen für das gesamte Haus Israel darstellt, was in dieser Paraschah im Besonderen deutlich wird! Durch seine hingebungsvolle Liebe hat er seinen Geschöpfen Erlösung gebracht. Die Tatsache, dass im Buch Hesekiel die zwei Stöcke zusammengeführt werden lässt auf den vollkommenen Wandel schließen, der einerseits auf das Erkennen des Wahrhaftigen fußt und ebenfalls den Aspekt des Dienens beinhaltet.  Der Titel dieser Paraschah Vayagasch "Und er küsste" kann aus der menschlichen Perspektive als positiver Annäherungsversuch gedacht werden, doch יהוה sieht es anders, was auch in den Heiligen Schriften deutlich wird, nicht zuletzt am Kuss des Judas von Ischkariot. Hieran erfüllt sich ebenfalls eine Prophetie innerhalb der Thora. Die Wurzel נגשׁ bedeutet soviel wie "Das Individuum ist Reich vorm Himmel" und zeigt uns damit auf, dass wir davor Acht haben sollten, wie wir uns יהוה nähern wollen. Denn ein unlauteres Herz, dass auf Gewinn bedacht ist, wird er nicht mit Liebe erwidern. Auch hier ist es wichtig, dass wir in der Einheit des Geistes und des Leibes wandeln, um יהוה den größt möglichen Raum in uns zu geben durch Annäherung an die Wesensgleichheit Yeshuas!

 

Jes 29,13-14:
Und
יהוה spricht: Darum daß dies Volk zu mir naht mit seinem Munde und mit seinen Lippen mich ehrt, aber ihr Herz fern von mir ist und sie mich fürchten nach Menschengeboten, die sie lehren: so will ich auch mit diesem Volk wunderlich umgehen, aufs wunderlichste und seltsamste, daß die Weisheit seiner Weisen untergehe und der Verstand seiner Klugen verblendet werde.

Es ist somit nicht verwunderlich, dass die Paraschah mit dem Kuss Judas dem Joseph gegenüber beginnt. Er erklärt nun Joseph gegenüber, wieso es ihnen unmöglich sei, seiner Bitte nachzukommen auch dem Benjamin ihm auszuliefern. Wir dürfen hierbei nicht vergessen, dass dies eine Prophetie darstellt und auch genau die Zeit der Jünger Jesu widerspiegelt. Benjamin steht für die tatkräftige "rechte Hand" Israels und es ist verständlich, dass das Hause Israel einen augenscheinlichen Ägypter diesen nicht aushändigen möchte. Das würde neben dem einsammelnden Aspekt Josephs quasi Israel der gesamten "Tatkraft" berauben und käme somit seinem Tod gleich mangels Wirkungskraft!

-Wer Augen hat, der sehe-

Auf uns persönlich gemünzt kann diese Begegnung ein Sinnbild für unser Leben sein, dass wir in unserer Blindheit Sorge haben unser Bestes Preis zu geben, obwohl der Schöpfer dies in seinem ewigen Plan vorgesehen hat! Eine solche Haltung birgt die Gefahr, dass wir unsere Talente nicht vermehren und die Angst uns leitet, den erhaltenen Schatz zu verlieren, anstelle ihn im Sinne יהוה zu akkumulieren. Dies wird auch an der Situation Josephs in Ägypten deutlich, welches uns als Belehrung dienen soll. Wir lesen nun, dass der Pharao und Ägypten sich freuen, Israel in Gänze kennen zu lernen. Dies hatte aber das Wirken Josephs voraus gehabt, der durch sein Wirken in Ägypten das Land vor dem Untergang bewahrt hat und seine Schätze vermehrt hatte. Je nachdem ob wir in Fülle in den Pfaden Yeshuas wandeln und Gehorsam יהוה gegenüber üben, werden die Nationen / Welt durch uns in Yeshua ben Joseph gesegnet! An folgenden Versen wird es in diesem Kapitel besonders deutlich:

5Und nun bekümmert euch nicht und lasst es euch nicht leid sein, dass ihr mich hierher verkauft habt; denn um eures Lebens willen hat mich Gott vor euch hergesandt.

 

7 Aber Gott hat mich vor euch hergesandt, dass er euch übrig lasse auf Erden und euer Leben erhalte zu einer großen Errettung.

 

27Da sagten sie ihm alle Worte Josefs, die er zu ihnen gesagt hatte. Und als er die Wagen sah, die ihm Josef gesandt hatte, um ihn zu holen, wurde der Geist Jakobs, ihres Vaters, lebendig.

Hoch gepriesen ist EWIGE, Amen! Halleluyah!


Wieder im Geiste gestärkt zog Jakob nun bereitwillig Ägypten seinem Sohn Joseph entgegen. Wie schon zuvor kam er wieder nach Beerscheba (Segensbrunnen) und brachte dort wieder Opfer dar. Die Erkenntnis darüber, dass sein Kind Joseph nach dem Wilen יהוה in Ägypten war, gab ihm den Lebensgeist zurück und verhalf im schließlich wieder auch dazu zum Ursprung zurück zu kehren. Interessant hierbei ist wieder, dass יהוה Jakob ruft und dieser seine Bereitschaft "Hineni" ausdrückt. Auf den ausdrücklichen Befehl hin verlässt es seine Heimat mit seinem gesamten Hab und Gut und glaubt somit erneut der Stimme Elohims und freut sich ob der erfüllten Prophezeiung, die anfänglich ihn und seine restlichen Söhne gekränkt hatte. Im Land Ägypten angekommen siedelte das Haus Jakob erst einmal in Goschen. Hierin verbirgt sich ein geniales Wortspiel in der Sprache יהוה. Die Wurzel גּשׁן bedeutet "Himmlischer Reichtum ist auf dem Individuum" und zeigt uns damit im Umkehrschluß auf, dass wir uns darauf verlassen sollten vom Himmel zu empfangen, anstelle davon uns dem Himmel mit unlauterem Herzen zu nähern. Es ist sehr interessant für den eigenen Wandel und man im Hebräischen betrachtet, dass es nie gut sein kann, wenn das eigene Ich das "Nun" einer Sache vorangestellt ist, sei sie erst einmal in der Intention auch dem rechten Wesen geweiht gewesen. Dies wird in diesem Abschnitt insbesondere dadurch deutlich, dass Jakob und sein Haus die Weisungen יהוה in ihrem Leben nun erkennen dürfen und entsprechend den Willen Elohims Folge leisten können, statt Trübsal im eigenen Hause zu blasen.

1. Mose 46,34:
So sollt ihr sagen: Deine Knechte sind Leute, die Vieh haben, von unserer Jugend an bis jetzt, wir und unsere Väter –, damit ihr wohnen dürft im Lande Goschen. Denn alle Viehhirten sind den Ägyptern ein Gräuel.

Eine weitere Prophezeiung als auch ein markantes Charateristikum Israels wird an dieser Stelle deutlich. Vieh (welches auch geopfert wird) zu hüten bedeutet, dass der Hauptaufgabe eines Israeliten es ist, Menschen zur Hingabe (Opferung)
יהוה gegenüber vorzubereiten. Diese Lebensweise ließ sie den heidnischen Ägyptern als fremd erscheinen. Dies geht ferner mit der Tatsache einher, dass die Nachfahren Israels innerhalb Mizrayims in Goschen (גּשׁן) hausen, welches später ebenfalls von den Plagen verschont bleibt. Dem Urext nach bedeutet dies, dass der "Himmel reich auf Einem ist" und man im Kern und im Geiste zwar schon im Sinne des EWIGEN wandelt, aber im Exil keine Möglichkeit hat dies zur Vollkommenheit zu bringen. Dies stellt noch einmal den Konflikt dar, den wir heute zuweilen in unserer Präsenz in der Welt (Ägypten) erleben dürfen. Wir stoßen auf Unverständnis, aber uns widerfährt keine Verfolgung solange Gottes Plan in der Zerstreuung Anwendung findet, sondern wir dürfen sogar in "Goschen" wohnen bleiben, solange wir Eigentum besitzen sind wir frei und unser Vieh hat auch die Möglichkeit zu Weide. Sobald sich die Umstände ändern und die Situation und das allgemeine Wohlbefinden zu kippen droht = "Hungersnot", dann sind auch wir meistens in unserem "ägyptischen Exil" dazu gezwungen, um uns um unser "Überlebens willen" zu versklaven und ums unserer Leiber willen die Fronarbeit anzunehmen. Hieran soll explizit keine Rechtfertigung von unbedingter Anpassung an die Welt vorgestellt werden. Es handelt sich hierbei lediglich um eine Prophetie, die für das Kollektiv Israel Anwendung findet, was man auch durch die gesamte Menschheitsgeschichte sehen kann. Individuell und persönlich sind den Anweisungen Yeshuas Folge zu leisten, die besagen auch die Bereitschaft zu haben sein Leben in Fülle liegen zu lassen damit man dem Willen יהוה sich annähern darf in Demut & Treue:

1. Mose 47,26:

So machte es Josef zum Gesetz bis auf diesen Tag, den Fünften vom Feld der Ägypter dem Pharao zu geben; ausgenommen blieb das Feld der Priester, das wurde nicht dem Pharao zu eigen.

Lukas 24,46-47:

So steht's geschrieben, dass der Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage; und dass gepredigt wird in seinem Namen Buße zur Vergebung der Sünden unter allen Völkern...

Die Quintessenz dieser Paraschah ist somit, dass sich der Plan יהוה erfüllen wird, auch wenn die Wege manchmal im Sinne der Vollkommenheit "unorthodox" erscheinen! Die Nachfahren Yehudas begreifen dieses Prinzip bis heute nicht, wieso dort der Maschiach ben Joseph nach wie vor als verworfen gilt. Dabei lehrt uns gerade die Prophetie in Hesekiel, dass es der Annahme und den Einsatz des Yehuda bedarf, damit sich einerseits das Volk wieder sammlen kann und andererseits auch der Raum für den Maschiach ben David (aus Juda!) gegeben wird, Selah! Leider besitzt auch Teile des Hauses Jakobs die Verwerfung seines Retters, indem die Weisungen zwar erkannt, aber dann doch nicht umgesetzt werden. Daher ist es essentiell, dass beide "Stöcke" vereint werden, sodass sich der Maschiach auch in uns innerhalb Mizrayims erkenntlich macht. Die letzendliche Zusammenführung der 12 Stämme Israels wird uns nicht nur zur Vollkommenheit verhelfen, sondern auch das Reich יהוה aufrichten! Alles in Einem spiegelt das gesamte Buch Bereschit und gerade die Jakobserzählung den Kern des natürlichen Wandels eines Israeliten wieder. In diesem Zuge muss man den vorgegebenen Weg einschlagen und sich unter Umständigen auch in dieser Welt demütigen (lassen). Wir dürfen niemals vergessen, dass seit dem Sündenfall bishin zum Millenium diese Welt dem Feind unterliegt und sich daraus Umstände ergeben, die uns dazu zwingen in Leid zu wandeln genauso wie Joseph. In diesem Kontext sind sowohl Simeon, Juda & Benjamin hervorgehoben, damit der Leser begreifen möge, dass mit Gehorsam, Erkenntnis & Rechtschaffenheit schon die halbe Schlacht geschlagen ist! An dieser Stelle wünschen wir Euch daher einen festen Stand im Glauben und möchten umso mehr dazu animieren, in die Fußstapfen des Maschiach ben Joseph zu treten. Er ist die einzige Richtschnur für Israel im ägyptischen Exil!

Sei reich gesegnet!


שלום

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