Behar / בהר

"Auf dem Berg"

Torah:        3.Mose 25-26,2

 

Haftarah:    Jer 32,6-27

 

Hadaschah: Lk 4,14-22

 

 

Der Titel dieser Thoraportion Behar könnte dem Urtext enstprechend genauso "Das Haus ermöglicht das Haupt" heißen. Die Summe der dieswöchigen Lehre nämlich, könnte man auf die Freilassung und die Erlangung der absoluten Freiheit beziehen. Beides erlangen wir in Fülle nur im siebten Jahr (Jahrtausend), jedoch können wir uns jetzt schon an den physischen Schatten derer orientieren. Das Schabbatjahr ist nicht nur ein Instrument, um uns von unserer Schuld freizusprechen, sondern es ermöglicht uns auch die Besitznahme von unserem Erbgut (Land), was ebenfalls in dem dazu gehörigen Haftarah Teil deutlich wird. Der Prophet Jeremia lebte in einer stürmischen Zeit, die von Krieg, Tod und Zerstörung geprägt war. Obwohl der Untergang Jerusalems bereits beschlossene Sache und im Vollzug war ermöglichte יהוה es dem Propheten zu seinem Erbbesitz zu kommen. Dies ist ein Sinnbild darauf, dass Elohim selbst in stürmischen und auswegslosen Zeiten seinem Volk einen Marker setzt, damit sie letztendlich zu ihrem verheißenen Erbgut kommen werden! Auch in diesem Punkt ist es unablässlich Glauben zu pflegen und Vertrauen in den Herrn Zebaoth zu haben. Dabei müssen wir lernen uns nicht von den äußeren Umständen trüben zu lassen, sondern uns hingebungsvoll der Sache יהוה anvertrauen und in Weitsichtigkeit voranschreiten, ihm zur Ehre.

Jeremia 32,24-27:
Siehe, die Wälle reichen schon bis an die Stadt, dass sie erobert werde, und sie ist durch Schwert, Hunger und Pest in die Hände der Chaldäer gegeben, die gegen sie kämpfen; und wie du geredet hast, so ist's geschehen; du siehst es ja selbst. Aber du, Herr HERR, sprichst zu mir: »Kaufe dir einen Acker um Geld und nimm Zeugen dazu«, obwohl doch die Stadt in die Hände der Chaldäer gegeben ist? Und des HERRN Wort geschah zu Jeremia: Siehe, ich, der HERR, bin der Gott allen Fleisches, sollte mir etwas unmöglich sein?

 

Wenn wir uns nun dieses Prinzip der Erlösung innerhalb der Thora betrachten, so merken wir, dass der Schabbat für unseren Leben einen großen Stellenwert einnehmen wird. In diesem Zusammenhang wollen wir uns einige Teilaspekte in dieser Paraschah anschauen. Als Erstes fällt Einem hierbei das Gebot auf, das man jeweils sechs Jahre das Feld besäen (תזרע שׂדך) und den Weinberg schneiden (תזמר כרמך) sollen. Beide Gebote dienen uns als Richtlinie dafür, dass für die eigene Vollendung eine gewisse Frist gesetzt wurde und wir in dieser Zeit auch dafür Sorge tragen müssen, dass wir dieser Arbeit in der von Elohim anberaumten Zeit beflissen nachgehen! Gleichzeitig wird jedem Weltlichen und jedem Eigenmächtigen somit eine Begrenzung auferlegt, die uns auch indirekt dazu anhalten soll nach der Ewigkeit und dem Erreichen des Milleniums zu streben. Dabei müssen wir tunlichst darauf achten, dass wir bis dahin unser eigenes Ego gekreuzigt haben und somit "erntefähig" werden, was der folgende Vers noch einmal par excellence verdeutlicht! Trauben des Weinstocks einsammeln (תקצור ואת ענבי נזירך) meint im Hebräischen, dass Selbstbezogenheit nicht die Möglichkeit hat, dass das "Haus zum Haupte" wird und dass das noch restlich verbliebene "Unkraut" in uns nicht mit in die Scheunen geholt wird. Wir werden es vermutlich nur bis zu einem gewissen Grad schaffen den Unflat aus uns bis zur Wiederkunft Christi rauszukehren, weshalb alles Unvollkommene dann im Schabbatjahr (Millenium) nicht mehr an uns haften wird.

3. Mose 25,8-10:
Und du sollst zählen sieben Sabbatjahre, siebenmal sieben Jahre, dass die Zeit der sieben Sabbatjahre neunundvierzig Jahre mache. Da sollst du die Posaune blasen lassen durch euer ganzes Land am zehnten Tage des siebenten Monats, am Versöhnungstag. Und ihr sollt das fünfzigste Jahr heiligen und sollt eine Freilassung ausrufen im Lande für alle, die darin wohnen; es soll ein Erlassjahr für euch sein. Da soll ein jeder bei euch wieder zu seinem Besitz und zu seiner Sippe kommen.


Dieser Abschnitt läutet das Halljahr ein und dient als Sinnbild für die endgültige Freilassung. Zudem ist es ein hervorragender Verweis auf Shavuot, wo wir erwartungsvoll die 49 Omer zählen, bevor wir dann am 50. Tag durch die Geistestaufe unsere vollkommene Freiheit erlangen! Trotzdem lesen wir an dieser Stelle, dass dieses besondere Jahr am Yom Kippur beginnen soll. Dies hängt wohl damit zusammen, weil an dem bestimmten Tag auch unsere Sünden gesündt werden sollen und der "Originalzustand" wiederhergestellt sein soll. Grundsätzlich kann man Schabbat- und Jubeljahr davon unterscheiden, dass Ersterer einen zyklischen Prozess darstellt, welcher dazu beiträgt, dass ganz Israel im Diesseits in den Reinigungs- und Erlösungsprozess kommt. Das Jovel hingegen stellt eher etwas Endgültiges dar, was einen dauerhaften Zustand der Besserung hervorruffen soll. Wenn man sich nun den Schöpfungsbericht vor Augen führt, so erkennt man, dass diese Prinzipien von Anfang an schon Geltung finden und daher eine gewisse "Zeitlosigkeit" besitzen. Dort wird berichtet, dass dem Menschengeschlecht insgesamt 50 Jovel und damit direkten Bezug zu dem 6000 jährigen Bestehen des "Adam" nehmen. Überdies sehen wir, das Erlösung in unmittelbarem Zusammenhang mit Werken innerhalb der festgesetzen Zeit stehen. Dem Volke Gottes ist eine Schabbatruhe vorbehalten, weshalb wir die Zeit bis dahin nutzen sollten, um rege das Feld und den Weinberg Elohims zu bearbeiten, damit die Ernte besonders reich wird.

-Wer Augen hat, der sehe-

In diesem Kontext bekommen wir noch einmal aufgezeit wie wichtig es ist die Nächstenliebe dabei nicht außer Acht zu lassen und stets ein mildtätiges Herz den uns Anvertrauten zu besitzen. In gleicher Weise werden wir hier noch einmal dazu aufgerufen Vertrauen in יהוה zu haben, dass wir trotz der ausbleibenden Eigenanstrengungen doch in Segensfülle zu unserem Ertrag kommen werden! Im Folgenden werden die Besitzrechte in Hinblick auf das Jovel erläutert und wir werden abermals dazu aufgerufen, unsere verarmten Volksgenossen in unsere Obhut zu nehmen und Jene zu unterstützen. Damit einhergehend lernen wir, wie der EWIGE Besitz im Allgemeinen versteht und wir müssen uns hierbei eingestehen, dass wir im Endeffekt nur unseren Besitz auf Erden geliehen bekommen haben und daher auch gerecht und nicht eigennützig damit umgehen sollen. Dies betreffend wird das Gebot erwähnt, dass wir im Jovel in jedem Fall zu unserem Besitz im Land kommen werden. Wobei ein Haus in der ummauerten Stadt lediglich innerhalb eines Jahres zurückgekauft werden kann. Gemäß dem Urtext bedeutet dies, dass wir nur ein "Rückkaufrecht" besitzen, wenn uns eine Sache explizit vom Himmel gegeben wurde. Diesbezüglich haben wir ebenfalls das Recht von diesem speziellen Eigentum zurück zutreten und es Anderen zu überlassen!

3. Mose 25,36:
Denn du sollst ihm dein Geld nicht auf Zinsen leihen noch Speise geben gegen Aufschlag.


Dieses Gebot ruft uns dieses Prinzip noch einmal ins Gedächtnis. Zöllnertum und Gewinntrieb sind bekannterweise zwei Feinde, die uns davon abhalten wollen, dass wir uns dem Wesen יהוה angleichen! Wir können entweder nur Gott oder dem Mammon dienen, wieso wir nun begreifen sollten, weshalb dieses Gesetz unausweichlich erscheint. Die Wörter für Zinsen (נשׁך) und Aufschlag (תּרבּית) deuten beide darauf hin, dass Eigenbereicherung im Gesamten verboten ist und wir uns in selbstlosem Handeln üben müssen. Adhoc fallen Einem Dutzende Aussprüche des Meisters hierzu ein, deren Häufigkeit sicherlich die Dringlichkeit der Einhaltung dieses Gebots untermauern soll!

-Wer Ohren hat, der höre-

Zum Abschluss finden wir den Abschnitt, welcher uns in den Umgang mit unseren Bediensteten unterweist. An dieser Stelle ist es mehr als hilfreich sich dahingehend weit von dem weltlichen "Sklavenbegriff" zu distanzieren. Ein Eved nämlich ist Jemand der in einem Dienstverhältnis stehend dafür Sorge trägt, dass die Interessen seines Dienstherren gemäß den Vorgaben umgesetzt wird. Im Rahmen des israelitischen Volkes sind alle Menschen frei geboren und können sich nur durch fahrlässige Misswirtschaft in Abhängigkeit eines anderen Menschen begeben. Dieses Gesetz im Zusammenhang mit dem Schabbatjahr soll aber gewährleisten, dass auch diese Geschwister zu einem bestimmten Zeitpunkt frei kommen sollen und somit die Gelegenheit bekommen ihr Leben wieder in Eigenregie zu führen.

3.Mose 25,44-46:
Willst du aber Knechte und Mägde haben, so sollst du sie kaufen von den Völkern, die um euch her sind, und auch von den Beisassen, die als Fremdlinge unter euch wohnen, und von ihren Nachkommen, die sie bei euch in eurem Lande zeugen. Die mögt ihr zu eigen haben und sollt sie vererben euren Kindern zum Eigentum; für immer könnt ihr sie als Sklaven arbeiten lassen. Aber von euren Brüdern, den Israeliten, soll keiner über den andern mit Gewalt herrschen.


Es ist uns durchaus erlaubt Menschen für unsere eigenen Zwecke zu benutzen, doch dürfen diese keine Volksgenossen sein! Für die Fremdlinge, die wir als Bedienstete halten gilt die Befreiung innerhalb der Schmitta nicht. Dafür besteht jedezeit die Möglichkeit sich direkt bei seinem Dienstherren auszulösen. Wenn man sich diese Konstellation genauer anschaut, so ist dieses Gesetz ein eindeutiger Segen für die Fremdlinge innerhalb Israels. Wenn sie nämlich als Knechte zu Hausgenossen von Israeliten werden, so wird ihnen durch rege Anteilnahme am Hausgeschehen der Weg zu יהוה geebnet werden. Weil auch hier nicht der Mensch im Vordergrund steht, wird es den Israeliten anbefohlen jene Menschen durch ein bestimmtes Lösegeld frei zu lassen, damit sie sich auch unter Umständen in Freiheit in Gott befinden können. Damit reihen sich alle Gebote bezüglich des Schabbatjahrs  nahtlos in den gesamten Erlösungplan Elohims ein, was uns auch das Jovel noch einmal versinnbildlicht. Alles in Einem dient uns die Thora als Richtlinie für ein rechtschaffenes Leben, was uns den Weg zur Erlösung hin aufzeigen soll. Aus den heiligen Schriften heraus wissen wir, dass all diese Aspekte der Göttlichkeit ihre Erfüllung in Yeshua Ha Maschiach finden was er letztendlich auch selbst von sich bezeugt!

Lukas 4, 17-21:
Da wurde ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht. Und als er das Buch auftat, fand er die Stelle, wo geschrieben steht (Jesaja 61,1-2):  »Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat und gesandt, zu verkündigen das Evangelium den Armen, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und die Zerschlagenen zu entlassen in die Freiheit und zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn.«  Und als er das Buch zutat, gab er's dem Diener und setzte sich. Und aller Augen in der Synagoge sahen auf ihn. Und er fing an, zu ihnen zu reden: Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren.


שלום

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